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Als studierter Lehrer in Lateinamerika zur Ausbildung als Tiefbaufacharbeiter.

Auszubildender Titos auf der Baustelle in Arbeitskleidung, hält einen Schutzhelm in der Hand

Eliécer Alvarado Rodríguez – oder kurz „Titos“ – wird Tiefbaufacharbeiter

Warum wird man als Lehrer nun Tiefbaufacharbeiter? Denn in seiner Heimat Costa Rica hat Titos ein Studium zum Lehrer absolviert. Aber in Deutschland konnte er keine Anstellung als Lehrer finden. Also musste ein neuer Plan her. Ebenso war Ihm wichtig, etwas zu finden, dass ihm Chancen bietet und einen sicheren Arbeitsplatz verschafft. „Ich sagte zu mir selbst: Wenn ich etwas Neues erlernen muss, dann möchte ich mit meinen Händen arbeiten, einen Job, zu dem nicht jeder bereit ist.“ Dabei wollte der 37-Jährige seine eigenen Grenzen austesten.

Der erste Kontakt

Vor zwei Jahren traf Titos dann bei einer Messe der Agentur für Arbeit in Lüneburg auf die Kuhlmann Leitungsbau GmbH. Dort kam er mit seinen zukünftigen Kollegen direkt ins Gespräch. Anschließend nahm er sich Infomaterial mit nach Hause und wurde kurze Zeit später Auszubildender zum Tiefbaufacharbeiter.

Anfangs gab es noch einige Sprachbarrieren, die ihn verunsicherten. Auch auf der Baustelle lag das Sprachniveau einschüchternd hoch. Doch das motivierte Titos nur noch mehr. „Ich habe Lernbereitschaft gezeigt, auch viel zu Hause vorbereitet, viel gelesen, Notizen gemacht, diese am Abend wiederholt und bin immer pünktlich gewesen.“ Und das zahlte sich schon bald aus: Titos Noten in der Bergedorfer Berufsschule und im Hamburger Ausbildungszentrum waren gut und so verdiente er sich den Respekt seiner Kollegen. Schließlich hat ihm die gute Stimmung bei der Arbeit zusätzlich Kraft gegeben, sagt er.

Selbstständigkeit und Kreativität sind wichtig

Besonders spannend findet Titos an seiner Arbeit die täglichen Herausforderungen auf der Baustelle. Hin und wieder komme es zu Schwierigkeiten mit den Maßen der Baupläne. Manchmal liegt ein Rohr oder Kabel nicht an der eingezeichneten Stelle. Das Team muss dann selbstständig danach suchen, um eine Verbindung zu schaffen oder etwas zu reparieren. „Dafür muss man kreativ und bereit sein, realisierbare Lösungen zu finden“, sagt Titos. „Es ist wie eine Schatzsuche.“

Seine Fähigkeiten, die er in seiner Ausbildung als Tiefbauarbeiter erlernt, helfen Titos sogar noch nach Feierabend weiter. So habe er auch im Haushalt gelernt, Dinge zu bauen oder zu reparieren. Zudem erhalte er eine faire Vergütung, auch der Weg zur Arbeit sei kurz. Sich im Betrieb weiterzuentwickeln, schließe er nicht aus. Titos könne sich gut vorstellen, seine Erfahrungen als Lehrer und die neu erworbenen Kenntnisse von der Baustelle zu vereinen. Zum Beispiel, um neue Azubis für die Firma zu gewinnen und ihnen dabei zu helfen, erfolgreich zu sein und für sie einen besseren Arbeitsplatz zu schaffen.

Jungen Menschen, die noch nach einer Lehrstelle suchen, empfiehlt er immer Motivation, Interesse und Lernbereitschaft zu zeigen. Egal, welche Arbeit zu erledigen sei, ob klein oder groß, ob im Dreck oder am Computer, ob im Regen oder unter dem Dach, man solle immer mit Leidenschaft und ganzem Herzen bei der Sache sein. „Die Hauptsache ist, dass es Spaß macht“, sagt Titos, „danach kommen auch die guten Ergebnisse.“

 

März 2020
Basti Müller, Kumst Media

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