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Entgegen aller Verbote: Huyen macht eine Ausbildung zur Mechatronikerin – eigentlich ein „Männerberuf“

Huyen Luu Röders Mechatronikerin

Huyen’s Traum: Eine Ausbildung zur Mechatronikern im Bereich Werkzeugmaschinen

Huyen Luu macht ihre Traum-Ausbildung in Soltau.

Huyen ist ein großer Fan der dualen Berufsausbildung in Deutschland. Denn sie kommt aus einer Kultur, die es Frauen sehr schwer macht, ihre beruflichen Träume zu verwirklichen. Schließlich war es ihr in ihrer Familie sogar verboten, sich mit Naturwissenschaften und Technik zu beschäftigen. Obwohl sie sehr neugierig darauf war und z.B. den Fernseher oder Ventilator reparieren wollte, wurde ihr das nicht erlaubt. Denn Männer kümmern sich um Technik und Frauen sollen im Büro arbeiten.

Man wird fürs Lernen bezahlt

Trotzdem ließ sie sich nicht entmutigen. Stattdessen motivierte sie das nur noch mehr. Folglich lernte sie ein Jahr lang, in ihrer Heimat Vietnam, fleißig Deutsch. Und so versuchte sie auf eigene Füße zu kommen. 2015 war es dann so weit und sie ging nach Deutschland, um hier ihr eigenes Leben zu gestalten. Eigentlich wollte sie studieren. Huyen dachte, dass ist der einzige Weg zum Erfolg. Dann lernte sie aber die Möglichkeiten einer dualen Ausbildung kennen. Sie war total überrascht, dass man wirklich dafür bezahlt werden kann, dass man lernt. So etwas kannte sie nicht. Für sie war es normal, dass man bezahlt, um etwas zu lernen.

2016 ging sie dann auf eine Industrie-Messe und war sofort fasziniert von den Werkzeugmaschinen „Wie viel wir Menschen schaffen können, wenn wir die richtigen Sachen miteinander verbinden“ sagt sie. „Moderne Maschinen sind eine Kombination aus Mechanik, Elektronik und Informatik. Und Deutschland ist ein weltweit bekannter Hersteller für Maschinen und Automobile. Wofür Deutschland aber auch bekannt sein sollte, ist das einzigartige System der betrieblichen Ausbildung. Theorie und Praxis bestmöglich miteinander zu verbinden, den Menschen die Freiheit zu geben, aus Fehlern zu lernen und kreativ zu sein. Die betriebliche Ausbildung vereint genau das.“

Nach dem Besuch der Messe verstärkte sich ihr Wunsch im Bereich Technik zu arbeiten. Am liebsten als Mechatronikerin. „Ganze zwei Jahre habe ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt und mir einen Plan gemacht, um dorthin zukommen:

1. Mein Deutsch verbessern, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen und die Ausbildung gut machen zu können.
2. Den Führerschein machen, um flexibel zu sein. Ich liebe die Autobahn.
3. Viele Praktika machen, um herauszufinden, welcher Beruf und welches Unternehmen am besten zu mir  passt.“

Studienplatz abgesagt

Gesagt, getan. 2018 bekam sie dann die Zusage für das Praktikum im Bereich Mechatronik bei der Firma Röders Tec in Soltau, einem bekannten Werkzeugmaschinenhersteller. „Ich konnte es kaum glauben. Als mein Praktikum beendet war, fühlte ich mich sehr dankbar für alles was ich gesehen habe und für die vielen praktischen Arbeiten, welche ich machen durfte. Mit der Erfahrung aus dem Praktikum wusste ich genau, dass Mechatronik im Bereich Werkzeugmaschinen mein Weg ist.“

Und sie bekam dann auch einen Platz für die Ausbildung dort. „Obwohl ich zu der Zeit in Hannover gewohnt habe und die Möglichkeit hatte, an der Leibniz-Universität zu studieren, habe ich mich mit gutem Gewissen für eine betriebliche Ausbildung entschieden.“ Der Umzug von Hannover nach Soltau war für sie kein Hindernis.

Die perfekte Kombination

„Einen weiteren Grund warum ich mich für Mechatronik entschieden habe, ist die perfekte Kombination zwischen den Bereichen Mechanik, Elektronik und Informatik. Die richtigen Sachen miteinander zu verbinden, lässt uns sehr viel erreichen. Wegen dieser Kombination, ist die Tätigkeit super abwechslungsreich und spannend. Das Gefühl, eine Sache intelligent und effizient in Bewegung zu setzen, ist für mich unfassbar schön. Nur aus wenigen Verdrahtungen und mit einem kleinen Computer, kann ich eine Anlage genau nach meiner Vorstellung in Bewegung bringen. Ist das nicht zauberhaft?“

Technisches Verständnis ist für Huyen die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit: „Alles was wir Menschen haben und sind, verdanken wir dem technologischen Wandel. Meine Entscheidung, bei der Firma Röders Tec eine Karriere zu machen, war genau die Richtige, dort kann ich im Team einzigartige weltmarktfähige Spitzenprodukte herstellen.“

Die Ausbildung ist ein Lottogewinn

Zusammengefasst: Huyen möchte junge Leute motivieren und zeigen, dass wir mit dem System der betrieblichen Ausbildung einen Lottogewinn haben. „Macht so viele Praktika wie möglich und sucht euch die beste Ausbildung, die zu euch passt. Zu einem guten Leben gehört eine gute Karriere, eine gute Karriere braucht einen guten Anfang. Eine Ausbildung ist bestimmt ein guter Anfang.“

 

Januar 2021
Katrin Sanna, IHK Lüneburg-Wolfsburg

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